Piep piep piep. Der Wecker bestätigt meine wache Befürchtung. Fünf nach fünf. Ich habe mich tatsächlich
entschieden, heute um sechs Uhr die müden Glieder zu bewegen. Frühtraining. Vor lauter Vorfreude bin ich
in der vergangenen Stunde schon dreimal aufgewacht.
Ich trinke ein Glas Wasser, eine halbe Tasse Tee, futtere eine halbe Banane und bewege mich so schnell wie
möglich zum Auto. Auf dem Weg umweht mich ein kühler Wind. Es ist Winter und frisch.
In der Umkleide herrscht gähnende Leere. Da mache ich mit und sperre den Mund weit auf. Es erscheinen noch
ein paar müde Gestalten und grüßen sparsam. Im Gegensatz zum Abendtraining entspannt sich kaum eine
Unterhaltung. Man wurstelt so vor sich hin.
Die Dehnübungen fallen schwer. Der Körper ist weder warm noch willig und versucht, sich gegen den frühen
Stress zu wehren. Aber es hilft ihm nichts. Manchmal schon bei den Hebeln und spätestens beim tai sabaki
wacht er auf. Dann die ersten Rollen, ganz klein und ganz langsam - und gaanz schwierig. Doch so langsam
werden die Füße wärmer.
Es folgen die üblichen Techniken, kennt man ja. Hhm, eigentlich schon, aber zu der Uhrzeit funktioniert
doch Manches nicht gleich. Es knirscht auch hier und dort im Körper. Geduld ist gefragt. Langsam aber
sicher fühlt sich die Haut dann feucht an und die Rollen werden rund und
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weich. Gegen Ende des Trainings sind sogar ein paar flotte Würfe drin, und die Bewegungen ähneln denen am Abend. Statt des bekannten Dursts
auf viel Wasser, Saftschorle oder ein Bier stört nun ein Geräuschkonzert die Stille: Mehrere Mägen inklusive
meinem melden sich knurrend - Hunger! So passt es gut, als mein Ohr das wohlverdiente Abklatschen zum Ende
vernimmt.
"Wer holt denn heute Brötchen?", tönt es vielversprechend in die Stille und meine Hand hebt sich entschieden.
Um halb acht ist beim Bäcker einiges los - wenn Ihr alle wüsstet, wie viele Kalorien ich schon verbraucht habe!
Flugs mit der Tüte zurück zu Kaffee, Tee, Butter und sechs Sorten selbstgemachter Marmelade. Neben bekannten
Arten steht die norddeutsche "Jostabeere" hoch im Kurs, eine Kreuzung aus Johannis- und Stachelbeere. Auch
Löwenzahngelee hat schon die Mäuler erquickt. Was man hier alles kennenlernt! Aber was ist das? Mein nunmehr
waches Auge entdeckt die Sorte "Pflaumenmarmelade, nicht so steif". Wenn das nicht die einzig wahre Aikido-Nahrung
ist. Ein Lob der Köchin.
Bei den ersten Sonnenstrahlen wird der Magen gefüllt und gewärmt. Nach ein paar heißen Getränken lockert sich die
Stimmung, und schließlich steht das bunte Palaver dem am Abend in nichts nach. Und dann beginnt der Arbeitstag - etwas
verspätet aber umso erfrischter. Meine Entscheidung steht fest: Ich komme gern wieder - im Sommer.
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